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2. Teilprojekt „Nationale Armutsdebatten in der BRD und der DDR 1955-1975“ - Meike Haunschild

Deutsche Wissenschaftler haben sich insbesondere seit der Wiedervereinigung verstärkt mit dem Themenkomplex Sozialpolitik und Wohlfahrtsstaat beschäftigt. Bestes Zeugnis dafür bildet die rund 12.000 Seiten starke Reihe „Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland seit 1945“. Doch obwohl in diesem Zusammenhang Armutsdiskursen und Armutsbildern von der Forschung große Bedeutung in Bezug auf Problemwahrnehmung und öffentliche Aufmerksamkeit zugemessen wird, gibt es noch keine eigenständige Untersuchung zu diesem Thema. Einen Beitrag zur Schließung dieser For­schungslücke will das im Folgenden skizzierte Teilprojekt leisten.

 

 

 

Armuts­debatten bilden ein emotio­nal hoch aufgeladenes Themenfeld. Besonders in modernen Wohlfahrts­staaten ist es schwer eine allgemeingültige und handlungsleitende Definition von Armut zu finden. Zwar müssen die Menschen in Deutschland seit den Wirtschaftswunderjahren und dem massiven Ausbau sozialer Sicherungs­systeme in Ost wie West kaum mehr fürchten, weniger zur Verfügung zu haben, als es das physische Existenzminimum erfordern würde; doch die Gefahr in einen Zustand relativer Armut abzugleiten bleibt weiterhin bestehen. Die Forschung beschränkt sich im Zusammenhang mit Armutsthematiken häufig auf den Bereich der Fürsorge bzw. Sozialhilfe. Durch eine solche Einschränkung werden andere Bereiche der Sozialpolitik jedoch ausgeblendet, die häufig der Vorbeugung von Armutslagen dienen sollen. Im Kontext der Debatten zur Sozialpolitik werden aufgrund ihrer Präventivfunktion auch Armutsvorstellungen sichtbar. Darüber hinaus unterscheiden Forscher meist zwischen Armutsdebatten und Debatten über soziale Ungleichheit. Geht man von einem relativen Armutsbegriff aus, scheint diese Unterscheidung jedoch wenig praktikabel.  Die Grenzen zwischen dem Zustand sozialer Ungleichheit, sozialer Benachteiligung und der Kategorie „arm“ verschwimmen. Allemal lohnt es sich bei einer debattengeschichtlichen Untersuchung den Blick zu weiten, zumal auch die Zeitgenossen staatliche Instrumente wie den Familienlastenausgleich oder Ausbildungsförderung als armutsvorbeugende Maßnahmen verstanden haben.

 

 

 

Die Studie nimmt die Armutsbilder und -konzeptionen der zentralen sozialpolitischen Akteu­re in Politik, Wissenschaft, Sozialverwaltung und Wohlfahrtsverbänden während der wirtschaftlichen Boomphase von 1955-1975 in den Blick. Sie geht dabei der Frage nach, ob und warum Debatten über (soziale) Mangellagen im Zeitverlauf wie auch im Ost-West-Vergleich unterschiedlich ausgeprägt waren. Die Frage nach der Funktion dieser Debatten im jeweiligen Kontext steht folglich im Zentrum der Untersuchung. Da sich in der Bundesrepublik zum einen ein viel größerer Kreis an Akteuren an den Debatten beteiligte und sich die DDR zum anderen wie Hans Günter Hockerts feststellte niemals ganz aus der „Sogwirkung der westdeutschen Vergleichsgesellschaft“ lösen konnte, wird der Schwerpunkt der Untersuchung auf der BRD liegen. Angefangen bei der Debatte um die umfassende Sozialreform, endend bei Heiner Geißlers Postulat einer „Neuen Sozialen Frage“ wird zudem punktuell immer wieder auf deren Widerhall in den Medien eingegangen werden.  

Kontakt

DFG-Armutsprojekt

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Historisches Seminar

Lehrstuhl für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte

Platz der Universität – Kollegiengebäude IV

79085 Freiburg im Breisgau

 

Tel. 0761-203-3444

 

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